Selbstständig werden

Freelance Fashionblogger

Wie werde ich selbstständig erwerbend? Soll ich diesen Schritt wagen?

Um was es geht:

Ich stelle Euch in meiner neuen Serie selbstständig erwerbende Frauen in einem Interview vor

In welchen Bereichen sind die Frauen selbstständig?

Ich stelle Euch Frauen aus den verschiedensten Branchen vor: Von IT über Kosmetik, Fotografie, Marketing, Detailhandel, Sport….

Was ist das Ziel?

Aktuell befinden sich viele in einer Umbruchphase. Mit den Interviews möchte ich Euch ermutigen Euren Traum zu verwirklichen und auf mögliche Stolpersteine hinweisen

Diese Serie schwebt mir schon lange vor. Aber durch viele Gespräche habe ich gemerkt, dass gerade aktuell, nicht zuletzt wegen Corona, viele ihr Leben überdenken und neue Wege einschlagen und die Möglichkeit Freelancer zu werden in Erwägung ziehen.

Ich möchte mit dieser Serie speziell Frauen ermutigen, ihren Traum zu leben, aber natürlich dürfen sich auch Männer inspirieren lassen.

Im ersten Interview befrage ich mich sozusagen selbst, denn ich bin seit 2011 mein eigener Boss. So möchte ich Euch die Möglichkeit geben, mich auch ein bisschen besser kennenzulernen.

Jesca Li – Makeup Artist, Blogger, Texterin

Jesca Li an der Bread and Butter in Berlin

Wie lange bist Du schon selbstständig erwerbend und mit was verdienst Du genau Dein Geld?

Ich habe mich 2011 offiziell als Makeup Artistin selbstständig gemacht. 2006 hatte ich meine Makeup-Ausbildung abgeschlossen, und 2009 die Schweizerische Textilfachschule, und vor der offiziellen Selbstständigkeit kleinere Projekte in diesen Bereichen berufsbegleitend realisiert.

Seit 2015 betreibe ich zudem meinen eigenen Blog und schreibe Kolumnen als Freelancer, unter anderem in der Gala Schweiz. Seit 2018 arbeite ich zudem als freischaffende Social Media Managerin und Texterin. Dabei betreue ich Instagram-Accounts für Unternehmen und schreibe Blogbeiträge und Presstexte für diese.

Wie bist Du dazugekommen; war es mehr Zufall, oder ein Plan, eine Vision, eine Strategie?

Irgendwie hatte ich schon immer den Wunsch verspürt, „mein eigenes Ding“ zu machen und vollständig verantwortlich für die Qualität meiner Arbeit zu sein. Ich wollte Dinge so umsetzen, wie ich es am für am Besten hielt und im Falle eines Erfolges zu wissen, dass ich es mir zuzuschreiben hatte. Was aber auch bedeutet, im Falle eines Misserfolges voll und ganz dafür verantwortlich zu sein.

Ich möchte verantwortlich für meinen Erfolg sein, aber auch für meinen Misserfolg

Nach der Matur machte ich eine Wirtschaftsausbildung und arbeitete während sieben Jahren in der Versicherungsbranche und versicherte Airlines. Es war ein sehr spannender aber auch sehr männerdominierter Beruf und natürlich eine stark regulierte Branche. Es gab sehr wenig Spielraum für kreative Verwirklichung. Auch wurde ich als Frau nicht gleich gefördert und befördert wie meine männlichen Kollegen. 

Mit 28 betrachtete ich meinen beruflichen Werdegang und stellte fest, dass ich mich völlig in eine entgegengesetzte Richtung zu meinen ursprünglichen Berufswünschen bewegte (eigentlich wollte ich ja Sängerin und Musicaldarstellerin werden).

Ich wollte etwas ändern, bevor ich mich zu fest an meinen Lebensstandard gewöhnt hatte

So sagte ich mir, dass wenn ich etwas ändern wollte, es jetzt tun müsse, bevor ich zu bequem würde und mich an einen zu hohen Lebensstandard gewohnt hätte. Dank meinen verschiedensten Ausbildungen hatte ich das „Starterkit“ als selbstständig Erwerbende sozusagen schon zur Hand.

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Entscheidung, Dich selbstständig zu machen, reagiert?

Mein Umfeld hat sehr positiv reagiert, ich glaube, die dachten alle, dass es überfällig sei. Meine Familie hat nie ganz verstanden, was ich in der Versicherungsbranche verloren hatte. 
Ich komme aus einer Künstlerfamilie (mütterlicherseits) und väterlicherseits sind die meisten im sozialen Bereich tätig, die meisten auch als Freelancer.

Ich war sozusagen „das schwarze Schaf“. Mein Vater meinte einmal zu mir „er sei schon etwas enttäuscht, dass ich mich beruflich nicht der Musik und dem Gesang gewidmet hätte“. Diese Aussage bringt mich immer noch zum schmunzeln.

Meine Familie vertraute mir, dass ich es packen würde

Meine Familie vertraute mir, dass ich es packen würde. Um aber nicht ganz ins kalte Wasser zu springen, suchte ich mir einen Nebenjob in der Gastronomie, so dass ich zumindest eine kleine Sicherheit hatte und meine Fixkosten mehr oder weniger decken konnte.

Gab es einen Schlüsselmoment, wo Du wusstest «Jetzt habe ich es geschafft»?

Ich bin bis heute nicht ganz sicher ob ich es „geschafft“ habe. Ich schlängle mich so durchs Leben und schaffe es zum Glück irgendwie immer, meine Rechnungen zu bezahlen.

Wenn Du in der Pampa sitzt und mit dem Manager von James Arthur telefonierst

Ein lustiges Erlebnis hatte ich aber: Ich war auf einem Wakeboardfestival in Köln. Ich sass gerade in meinem Zelt, in Sportklamotten, ungeschminkt und völlig casual, als mir der Manager vom Sänger James Arthur anrief, ob ich Zeit hätte, ihn am kommenden Wochenende zu schminken. Die Situation war schon irgendwie sehr mit Situationskomik beladen: ich irgendwo in der Pampa am campen, während ich mit dem Manager des Weltstarts James Arthur telefonierte….

Es gibt immer viele unglaublich tolle Aufträge, die ich mir nie zu erträumen gewagt hätte. Ich war beispielsweise Lead Makeup-Artist an einer Fashionshow in Korea, ich darf für die Gala eine Kolumne schreiben, ich hatte Weltstarts wie Coco Rocha oder Javier Bardem für ihre Auftritte zurecht gemacht…

Makeup Artist at work for Fashionshow

Wenn ich es mir überlege ist das eigentlich schon ziemlich crazy…

Was waren die grössten Hürden auf diesem Weg?

Es gibt immer wieder Hürden als selbstständig Erwerbende. Die grösste Schwierigkeit ist die volatile Auftragslage, was sich mit Corona noch verstärkt hat. Es kann sein, dass ich einen Monat lang praktisch keine Aufträge habe, und im folgenden Monat dann mehrere Aufträge pro Tag. Es gibt auch kein Muster, ich kann zum Beispiel nicht sagen „im April habe ich immer viel Aufträge“. Das macht natürlich die Ferienplanung auch immer etwas schwierig, denn ich kann die Auszeiten besser geniessen, wenn ich weiss, dass mir in dieser Zeit nicht  viel Geld durch die Lappen geht.

Leider musste ich Mel C absagen

Einmal hätte ich Mel C von den ehemaligen Spice Girls schminken können, aber „leider“ war ich da gerade in Los Angeles.

Schwierig ist manchmal auch, dass man sich immer wieder selbst motivieren, „in den Arsch“ kneifen muss; es gibt kein Chef, der einem Dampf macht…man ist sein eigener Chef und muss das selbst tun.

Was sind die schönsten Momente in Deinem Berufsalltag als Selbstständige?

Die schönsten Momente sind eigentlich diejenigen, wenn ich positives Kundenfeedback bekomme, oder eine Fotostrecke oder einen Text von mir in einem Magazin entdecke. Zudem liebe ich Teamwork, wenn ich zusammen mit andern Freelancer für einen Auftrag gebucht werde.

Denkst Du, es ist schwieriger, sich als selbstständig erwerbende Frau zu behaupten? Gibt es eventuell auch Vorteile, oder hast Du das Gefühl, dass das Geschlecht keine Rolle spielt?

Ich denke, dass kommt ganz auf die Branche an. Aber generell habe ich das Gefühl, gerade bei Verhandlungen, dass Frauen die tough agieren immer noch eher als hysterisch angesehen werden, während man Männern gutes Verhandlungsgeschick zuschreibt. 

Frauen vertrauen tendenziell männlichen Artisten mehr

Im Bereich Makeup ist es psychologisch so, dass Frauen männlichen Artisten viel mehr vertrauen. Wahrscheinlich, weil sie unterbewusst das Gefühl haben, dass Männer das Schönste aus ihnen herausholen möchten, während bei Frauen immer noch der Rivalitätsgedanke besteht.

Was würdest Du Frauen empfehlen, die sich gerne selbstständig machen möchten?

Wagt es, aber plant es!

Macht einen soliden Plan, bevor Ihr den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Analysiert Eure Fixkosten, kreiert eine gute Webseite, macht Euch schlau über potentielle Kunden, definiert Euer Alleinstellungsmerkmal, also, was Euch von Eurer Konkurrenz unterscheidet und glaubt an Euch und Eure

Fähigkeiten.

Gibt es etwas, was Du uns gerne auf den Weg mitgeben möchtest?

In der Schweiz pflegen wir tendenziell eine Sicherheitskultur. Immer wieder höre ich Sätze wie „so mutig“, „Es ist schon sehr riskant“, „glaubst Du wirklich, dass Du das schaffen kannst, dass Du genug verdienen wirst“?

Mein Tipp: Just Do it!

In den USA beispielsweise leben sie einen ganz anderen Ansatz: „Just do it“. Wenn man dort jemand von einer geplanten Selbstständigkeit erzählt, reagieren die meisten positiv und ermutigen einem.

Am Ende ist es doch genau so: Wer nicht wagt, nicht gewinnt“. Wenn man eine solide Ausbildung hat, und die Selbstständigkeit strukturiert angeht, stehen die Chancen gut, dass man es schaffen kann. Und wenns nicht klappt, haben wir in der Schweiz den Luxus, dass wir relativ schnell wieder Geld in einem Angestelltenverhältnis verdienen kann, vorausgesetzt man ist flexibel und bereit hart zu arbeiten.

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