Kleine Helden des Alltags: Bahnhöfe

Sri Lanka Train

Hallo meine Lieben

Heute möchte ich Euch eine lustige Geschichte erzählen, die ich vor einem Jahr in Sri Lanka erlebt hatte.

Ich bin mit einer Freundin zwei Wochen auf diese spannende Insel gereist, um an der Südwest-Küste zu surfen und zu entspannen. Weil unser Flug um 1 Uhr morgens ankam, beschlossen wir, die erste Nacht in Colombo, der Hauptstadt, zu verbringen.

Am nächsten Morgen begaben wir uns zuerst zum Bahnhof, um die Zugtickets für unsere Reise Richtung Süden zu kaufen. Das war eine ziemliche Herausforderung aber nach einer halben Stunde hielten wir unseren Fahrschein in der Hand!  Da wir noch Zeit hatten, erkundeten wir die laute bunte Stadt.

Mit dem Jetlag und all den vielen Eindrücken, Düften und Geräuschen schwirrte uns bald der Kopf. So assen wir in einem ruhigen Café einen Bissen, holten unsere Koffer und machten uns auf zum Bahnhof.

Obwohl oder gerade weil die „Fort Railway Station“ nicht viele Gleise hatte, waren wir ziemlich nervös, ob wir es schaffen würden, in den richtigen Zug zu steigen. Denn auf „unserem“ Gleis hielten alle fünf Minuten neue Züge, welche die Passagiere ins Land hinaustrugen. Wir wussten nicht, ob wir in den Zug steigen sollten, der kurz vor unserer Abreisezeit einfuhr, denn wie pünktlich waren denn die Züge? Können wir darauf vertrauen, dass der Zug, der dann einfährt auch wirklich unserer ist, oder werden wir irgendwo anders landen?

Während wir uns darüber den Kopf zerbrachen, näherte sich uns ein Greis, tausende von Falten und ein verschmitztes Lächeln schmückten sein Gesicht.

Er sprach uns in einer Mischung aus schweizerdeutsch und hochdeutsch mit einer tamilischen Färbung an, und fragte uns, ob er uns helfen könne.

Verblüfft und sprachlos schauten wir ihn an. Sein verschmitztes Lächeln hatte nun einem breiten herzlichen Grinsen Platz gemacht. Stolz erklärte er, dass er dreissig Jahre in der Migros Küsnacht gearbeitet hätte, und nach seiner Pensionierung wieder zurück in seine Heimat, Sri Lanka, gekommen sei.
Tagtäglich begebe er sich zur Fort Station und helfe deutschsprachigen Touristen den richtigen Zug zu finden, denn es sei ja schon ziemlich verwirrend mit all den Zügen und Verbindungen.

Und so half dieser kleine Held des Alltags auch uns, und wir kamen tatsächlich am richtigen Zielort, in Bentota, an.

Bis heute bereue ich es, dass wir kein Bild mit ihm gemacht haben. Es war so ein spezieller Moment: Wir, in der Fremde, treffen einen unbekannten Einheimischen, und dennoch haben wir etwas, was uns in unserer Heimat verbindet: Die Migros Küsnacht, in der ich früher auch regelmässig einkaufen ging.

Ich werde diesen Helden nie vergessen und bin dankbar für diese spezielle Begegnung (und natürlich auch, dass wir dank ihm in den richtigen Zug eingestiegen sind!).

Ist Euch auch schon mal etwas Unerwartetes, Schönes, Lustiges oder Berührendes passiert?  Dann schicke mir Deine Geschichte, ich würde mich freuen, sie auf meinem Blog teilen zu dürfen, selbstverständlich auch anonym, wenn Euch das lieber ist.

Ich wünsche Euch eine schöne Woche.

Euer Jesca Li

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