Vom Leben und Sterben

Vom Leben und Sterben

Meine Posts sind alle offen, ehrlich und persönlich, aber es gibt diejenigen, bei denen ich nicht sicher bin, ob ich wirklich meinen Blog als Plattform nutzen sollte oder nicht.

Mein letzter ultra-persönlicher Post „Die ganze Wahrheit“, hat grosse Wellen geschlagen und ich war völlig überwältigt, von den vielen spannenden Kommentaren, Inputs und Anregungen. Aber schon alleine das Schreiben hat mir eine grosse Last von der Schulter genommen.

Ursprünglich waren Blogs ja tendenziell eher etwas wie offene Tagebücher, und keine Markenpräsentierungs- und Rabattcodeplattformen.

Deshalb habe ich mich nach langem überlegen auch beim heutigen Post fürs Publizieren entschlossen.

Heute geht es aber nicht ums Bloggen, sondern ums „analoge“ Leben, über Freud und Leid. Ein bisschen sollte es aber auch erklären, weshalb mein Blog momentan etwas inaktiv ist, weshalb er sozusagen am Fasten ist.

Und das ist auch bereits das erste Stichwort: Fasten – Sterbefasten.

Bis vor kurzem war mir das Erstere zwar ein Begriff, nicht aber das Letztere. Es bedeutet sein Leben zu beenden durch das Stoppen von Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme.

Ich habe letzteren Begriff kennengelernt, da sich eine 93-jährige Person, die mir unglaublich nahe steht, ich fast als Seelenverwandte ansehe, dazu entschlossen hat.

Sie hat den Geist, Verstand und Klarheit eines sehr gut informierten und interessierten Mitvierzigers, aber den Körper eines Greisen, welcher es ihr fast unmöglich macht, das Haus zu verlassen, noch eine schmerzfreie Minute zu verbringen. Die Person hat keine Lebenskraft mehr, sie hat genug gesehen von dieser Welt, sie hat wunderschöne und schwierige Zeiten durchlebt, und möchte einfach nur noch Erlösung.

Ich kann diese Entscheidung vom Kopf her sehr gut nachvollziehen und finde sie ethisch vertretbar, gerade wenn man bedenkt, dass sie wahrscheinlich schon lange nicht mehr leben würde, wenn die Medizin mit Herzschrittmachern, und anderen lebensverlängernden Massnahmen nicht nachgeholfen hätte. Zudem kann man das “Sterbefasten” auch in der Tierwelt gut beobachten, alte, kranke Tiere ziehen sich oft zurück und essen nichts mehr, wenn sie keine Kraft mehr fürs Leben haben.

Mein Herz aber weigert sich das zu akzeptieren, was der Kopf so schön vorgibt. Es blutet. Es schmerzt und es scheint tausend kleine Risse zu bekommen. Eine Person, die besser über aktuelle und vergangene politische Geschehnisse Bescheid weiss, wie manch einer meiner Generation, die den Schlüssel zu einer ganzen Schatzkammer voller Kunstverständnis, Literaturkenntnissen und theologischen Theorien besitzt, zudem die Empathie eines Weisen, wie kann sie ihr Gehirn einfach ausschalten wollen, und als diese wertvollen Kostbarkeiten dem Universum übergeben? Wie kann sie heute noch über die Politsendung vom Vorabend sprechen und morgen sich aus dem Leben verabschieden?

Es sind Fragen, die der Kopf dem Herz jeden Tag wieder zu erklären versucht, aber das Herz ist einfach taub oder versteht die Sprache des Kopfes nicht.

Es blutet und blutet und lässt meinen Kopf rotieren und rotieren, obwohl er die Antwort bereits lange kennt, einsieht, respektiert und akzeptiert.

Der Kopf bräuchte momentan seine Kapazität auch für etwas anderes:

Etwas sehr Spannendes und Positives. Und ja, auch darüber möchte ich berichten, denn einmal mehr wird mir frisch aus dem Leben bewiesen, wie nahe Freude und Trauer beisammen liegen können.

Ich wurde vor ein paar Wochen angefragt, ob ich bei einer Quizsendung als Kandidatin mitwirken möchte. Mich hat alleine schon die Anfrage unglaublich gefreut, denn ich liebe neue Herausforderungen und Inputs von Aussen, die mein inneres Antriebsrädchen wieder in Schwung bringen.

Nachdem ich auf Herz und Nieren getestet wurde, ob ich mich denn auch wirklich eignen würde, sozusagen als Selbstschutz, damit ich mich öffentlich nicht zum Affen mache, gab es grünes Licht, und für mich den Startschuss, meinen intellektuellen Putzlappen hervorzuholen, und mein Allgemeinwissen abzustauben und auf Hochglanz zu polieren. Das ist etwas, was ich eigentlich schon lange wieder einmal machen wollte, mir aber einfach die Initialzündung dazu gefehlt hatte. Ich freue mich riesig!

In dieser Situation befinde ich mich nun, in diesem August, mit einem blutenden Herzen, welches immer wieder fragt „warum nur, warum“, mit einem rationalen Kopf, welcher die Wunden des Herzens zu verarzten versucht, und inmitten von Lexikas über unnützes Wissen und Duden-Quizbüchern, Wikipediaseiten und Youtube-Dokumentationen, Matura-Notizen und Quizapplikationen… ach ja, und dazwischen arbeite ich auch noch ab und zu…

Was aber momentan auf der Ersatzbank sitzt, sind Berichte über ein zuckersüsses AirBnB in der Algarve, eine Anleitung wie man perfekte Strandbilder schiesst (oder auch nicht…), Bilder von neuen Streetstyle-Looks und vieles mehr.

Ich danke Euch für Euer Verständnis, und freue mich bereits an einem neuen Projekt zu arbeiten, wenn ich die Quizsendung gewinne…hehehe…und natürlich die Themen der Ersatzbank auf Spielfeld loszulassen.

In diesem Sinne, hasta pronto!

Eure

Jesca Li

4 Comments

  1. Vanessa
    08. August 2019 / 07:50

    Ich liebe Quizsendige:-) Lah mi wüsse weni de TV muess ischalte😍

    • Jesca Li
      Autor
      08. August 2019 / 19:37

      Hihi…wenn ichs nöd voll verk…e, dänn Sächsin ;-)!

  2. mandrela
    08. August 2019 / 09:59

    Ich mag Deine persönchlichen Posts sehr. Und ja bi scho seeehr gspannt ufi Quiz-Sendig 🙂

    • Jesca Li
      Autor
      08. August 2019 / 19:37

      Danke vielmals liebe Andrea! Ich bin auch mega gespannt *bibber* ;-)!

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