Kunst mit naiven Augen

Kunst mit naiven Augen

Guten Morgen allerseits

Ich bin wahrlich keine Kunstkritikerin, aber dennoch habe ich das eine oder andere Mal darüber geschrieben, wie beispielsweise hier.

Die Frage “Was ist Kunst” hat mich schon seit klein auf beschäftigt, und ich liebe es Museen zu besuchen. Natürlich habe ich Lieblingskünstler, aber ich finde es auch immer wieder spannend, mich mit Kunst zu konfrontieren, die jetzt nicht unbedingt auf den ersten Blick meinem “Kunstbeuteschema” entspricht.

Deshalb hab ich mich vor gut zwei Wochen mit einer Freundin zur Preview der ersten Retrospektive von Wilhelm Leibl aufgemacht. Habt Ihr schon mal von ihm gehört? Wahrscheinlich nicht.

Der deutsche Leibl hat von 1844-1900 gelebt und gearbeitet und ist ein bedeutender Vertreter des Realismus. Der arme Leibl hat sich wohl Mitte des letzten Jahrhunderts ein paar Mal im Grabe umgedreht, denn seine Kunst wurde von den Nationalsozialisten als Ideal der deutschen Kunst missbraucht, etwas, das bestimmt nicht in seinem Sinne gewesen wäre und was seine Popularität lange auch deutlich gemindert hat.

Die Retrospektive läuft unter dem Titel “gut sehen ist alles”, und so habe ich versucht, genau hinzuschauen. Ich möchte Euch deshalb in meiner naiven Art erzählen, was ich gesehen habe. Denn alle Fakten und Zahlen könnt Ihr auch hier nachlesen.

Leibl hat eine grosse Bandbreite an Kunstwerken geschaffen. Einen gemeinsamen Nenner haben in meinen Augen jedoch alle Bilder. Sie erinnern mich stark an die Fotografie. Nicht unbedingt, weil man den Pinselstrich fast nicht mehr erkennen würde, sondern die Stilelemente die er verwendet hat. Bei vielen Werken habe ich mir überlegt, wie ein Fotograf für so ein Bild das Licht und die Kameraeinstellungen gesetzt und die Ausschnitte definiert hätte.

Er spielt stark mit dem Lichtfall, mit hell und dunkel. So gibt es Bilder, bei denen das Objekt, der Mensch ein Umriss in der Dunkelheit ist, während man durch ein Fenster die hell erleuchtete Natur wahrnehmen kann. Er arbeitet mit Tiefenunschärfe und versucht die Objekte so einzufangen wie sie sind.

Auch hat Leibl manchmal seine fertigen Bilder zersägt oder zerschnitten, da er einzelne Ausschnitt (wie hier beim “Mädchen mit der Nelke”) viel wirkungsvoller fand, als das Gesamtbild; etwas was Fotografen heute ganz easy mit Photoshop machen können.

Leibl hält verewigt seine Modelle oft in Alltagssituationen, als wäre er zufällig vorbeigekommen und hätte auf den Auslöser gedrückt. In seinen Bilder kommt die Verletzlichkeit, die Authentizität der Menschen unglaublich stark und eindrücklich zur Geltung.

Lange hat Leibl auf dem Land gelebt, wo er sich in einem Bauernhaus intensiv seiner Kunst gewidmet hat. So sind die Modelle oft seine Angestellten, die bei der Arbeit eingefangen wurden.

Auch wenn ich mir jetzt vielleicht keinen Leibl ins Wohnzimmer hängen würde, hat mich die Art wie Leibl “sieht” stark berührt, die Bilder sind unglaublich intim und ausdrucksstark.

Falls Ihr Euch gerne auf Kunstabenteuer einlässt, könnt Ihr Euch die Ausstellung noch bis am 19.Januar 2020 im Kunsthaus zu Gemüte führen.

Das Kunsthaus bietet übrigens auch ein spannendes Weihnachtsprogramm für die ganze Familie. Den Programmflyer findet Ihr hier.

Alles Liebe,

Eure Jesca Li

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